Kapitulation

Der Unterhändler der Außerirdischen betrat den Raum, musterte die neugewählte UN-Generalsekretärin und legte ihr die Kapitulationsurkunde auf den Tisch. Zähneknirschend unterschrieb die Deutsche, die von Beruf eigentlich Ärztin war, den Vertrag und nahm den Impfstoff entgegen.

¡Hola Pepe! (3/3)

¡Hola Pepe …!“ In dieser Bar kommen wir erst gar nicht bis zur Theke durch, da die Menschen in der Mitte des Raumes einen Kreis mit einer freien Innenfläche gebildet haben. All diejenigen, die nicht zur Kreislinie gehören, stehen wie Ölsardinen in einer Dose gequetscht im Dunkeln und kämpfen um die freie Sicht auf die erleuchtete Kreisinnenfläche. Dort machen – zum Rhythmus der Gitarren- und Kastagnettenmusik, die wieder einmal aus einer Stereoanlage kommt – ein Mann und eine Frau etwas, bei dessen Anblick der Papst wohl eine sangríafarbene Birne bekäme. Nun ja – geschichtlich gesehen handelt es sich bei diesem Tanz tatsächlich um ein Balzritual. Da wir uns jedoch im tiefkatholischen Spanien befinden, führt er – zumindest auf der Tanzfläche – nie zu dem eigentlichen Ziel. Der Weg ist jedoch auch ein Ziel, und deswegen schlängeln die beiden in kreisförmigen Bewegungen immer näher aufeinander zu, während sie ihre Arme in der Luft kreisen lassen und mit den Fingern zum Rhythmus der Musik schnipsen. Als sie endlich aufeinandertreffen, umschlingen sie sich kurz aber leidenschaftlich, um sich dann wieder zu trennen.

Da es eher unwahrscheinlich ist, dass wir noch im Laufe dieser Stunde ein Bierchen bekommen, machen wir uns wieder auf den Weg. Das Ziehen von einer Bar zur anderen ist sowieso einer der wichtigsten Aspekte dieses nächtlichen Treibens. Denn wer rastet, der rostet – mit oder ohne Flüssigkeiten …

Als wir so gegen 11 Uhr aufwachen, fühlen wir uns pudelmunter – was wir zweifelsfrei dem Mix aus festen und flüssigen Nahrungsmitteln verdanken. Ich gehe in die Küche und bereite den Milchkaffee zu, in den wir dann die süßen und zitronigen Biskuit-Kekse tauchen werden …

¡Hola Pepe! (2/3)

¡Hola Pepe, dos tubos de cerveza, por favor!“ Mit diesem Satz begrüßen wir Pepe, seines Zeichens camarero – Kellner – und bestellen zwei Bier in röhrenförmigen Gläsern, die ein Deutscher wahrscheinlich für Minivasen halten würde, in welche man Plastikblumen stellt. Pepe ist die Koseform von José, und da jeder zweite männliche Spanier den Namen des Stiefvaters Jesu Christi trägt, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass auch dieser Mann auf diesen Namen hört. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist, hat auch er sich wie jeder andere Spanier daran gewöhnt, mit diesem Namen angesprochen zu werden, und erwidert unsere Bestellung mit einem Kopfnicken.

An der Theke treffen wir Jesús, der gerade ein Schinkenbrötchen verschlingt und sich dabei ein wenig zu dem Rhythmus eines leicht verpoppten Up-TempoFlamencos bewegt, der leider nur aus einer Stereoanlage kommt. Inzwischen hat sich Pepe wieder in den Bereich hinter der Theke durchgekämpft und zieht zwei Röhren Bier, die er uns sogleich auf die Theke stellt. Ich drücke ihm 200 Peseten in die Hand – „el resto es para ti“ – der Rest ist für dich – er hat wahrscheinlich sowieso kein Wechselgeld.

Obwohl die Uhr erst halb eins schlägt, ist die Bar bis zum letzten Quadratzentimeter voll. Die Luft ist mit einer Mischung aus Tabak- und Haarwassergeruch geschwängert, der die Bierfahnen erfolgreich überduftet. Wir prosten Jesús zu, leeren unsere Röhren auf einen Zug und bestellen zwei weitere. Jesús ist Lehrer an einer der privaten Sprachschulen, die sich auf Ausländer spezialisiert haben und mit unkonventionellen Lehrmethoden erstaunliche Erfolge erzielen. Doch wie die meisten Vertreter seiner Berufsgruppe spricht auch er wenig über seine Arbeit und diskutiert stattdessen lieber über Pop-Charts, Kino und das Weltgeschehen. Wir kommen ins Gespräch, und als wir auf die Uhr schauen, ist es halb zwei – Zeit, die Bar zu wechseln …